Musik
Herzlich willkommen beim Modul Volksmusik in der Euregio. Ihr habt ja im vergangenen Modul sehr viel über Sprachen und Dialekte in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino gehört. Neben Sprachen ist es auch die Musik, im Speziellen die Volksmusik, die für eine Region charakteristisch ist. Doch was ist eigentlich Volksmusik? Was verbindest du mit Volksmusik?
Hör genau hin
Für die nächste Aufgabe benötigt ihr ein Blatt Papier und einen Bleistift. Hört euch nun die folgenden zwei Musikbeispiele an und beantwortet folgende Fragen:
- Wie klingt die Musik für euch? Welche Adjektive fallen euch ein, die zum jeweiligen Musikbeispiel passen?
- Welche Gemeinsamkeiten könnt ihr zwischen den beiden Musikbeispielen entdecken?
Und? Viele Adjektive und Gemeinsamkeiten gefunden? Eine typische Tiroler Musizierweise (Nord-, Ost-, Südtirol) präsentierte uns die Gruppe „Jung und frisch“ aus Nordtirol im ersten Beispiel, während im zweiten Beispiel Volksmusik aus dem Trentino von der Gruppe „Abies Alba“ erklang.
Die traditionelle Volksmusik, wie wir sie heute aus Nord-, Ost- und Südtirol und dem Trentino kennen, klingt sehr vielfältig. Sie hat sich aus den Musikformen, Bräuchen und Instrumenten entwickelt, die vor ca. 300 bis 200 Jahren in Tirol in der Volksmusik vorherrschend waren.
Wie diese Musik damals geklungen hat, darüber gibt uns eine alte Liederhandschrift aus dem Passeier (Südtirol) Auskunft, aber hört selbst.
Volksmusik - ABC
Landler bzw. Walzer, Polka, Boarischer und Marsch: Das sind also heute die gängigen Gattungen in der Tiroler Volksmusik. Genauso, wie sich Sprache im Lauf der Zeit immer wieder geändert hat und sich weiter ändern wird, hat eben auch die Volksmusik sich innerhalb weniger Jahrhunderte gewandelt. Dennoch ist sie nach wie vor bunt. So bunt, dass man sie gerne mit einem Haus, das viele Zimmer hat, vergleicht.
Damit ihr einen Eindruck von der Vielfalt der Volksmusik in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino bekommt, haben wir euch ein Volksmusik-Abc in einem solchen Haus mit vielen Zimmer zusammengestellt.
Volkslied
Bereits im Sprachen-Modul habt ihr sehr viel über Dialekte gehört. Ähnlich wie die Instrumentalmusik ist auch das Volkslied wie ein Dialekt, ein musikalischer Dialekt eben. Über die Jahrhunderte haben sich regionstypische Eigenheiten in den Volksliedern herausgebildet, einerseits durch den Dialekt, in dem ein Lied gesungen wird, andererseits aber auch durch die Art des Vortrags.
Natürlich haben die Leute aber auch schon früher Lieder aus anderen Regionen übernommen, wenn sie ihnen gefallen haben. Sie haben sich diese Lieder sprichwörtlich angeeignet, indem sie sie zu ihren eigenen gemacht haben: Sie haben sie, wenn es der Reim zuließ, in ihrem eigenen Dialekt gesungen, manche Melodieteile leicht verändert oder neue Strophen dazugedichtet. Ihr könnt euch denken, dass Gesangsgruppen heutzutage genauso Lieder von anderen Gruppen übernehmen. Der Unterschied ist, dass das heute viel einfacher geht: Ein Klick, und man hat sich das Lied downgeloadet. Unsere vernetzte Welt bringt gleichzeitig auch mit sich, dass Regionen zusammenrücken. Dadurch gehen aber auch gewisse Eigenheiten verloren. Das ist ganz natürlich.
Trotzdem waren und sind die Anlässe und die Formen des Volksliedes nach wie vor vielfältig. Das zeigt die folgende Auswahl: Balladen, historische Lieder, Almlieder, Jodler, Scherzlieder, Liebeslieder, Hochzeitslieder, Wiegenlieder, geistliche Lieder im Jahreskreis, und vieles mehr.
Im Folgenden hört ihr zwei Beispiele. Könnt ihr sie jeweils einer eben genannten Gattung zuordnen?
Und genau hingehört? Welcher Kategorie würdet ihr die jeweiligen Beispiele zuordnen?
Trentiner Volkslieder
Volkslieder sind Erinnerungsträger, eine Art Flaschenpost, die uns von der Vergangenheit erzählen und uns mit unseren ältesten Wurzeln verbinden.
Die Berge sind das prägende Naturelement des Trentino. Wenn die Berge eine Stimme hätten, würden sie Volkslieder singen.
Ein wertvolles Erbe an traditionellen Liedern, die von Schönheit, Sehnsüchten und Leid erzählen…
Die Lieder entstanden bei abendlichen Treffen in der Familie und unter Freunden: Da es noch keinen Fernseher oder andere Unterhaltungsmedien gab, traf man sich, um sich zu unterhalten und die Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Die Volkslieder wurden über Generationen vom Vater an den Sohn weitergegeben.
Lied „la Madonina„
„Che dolceza ne la voze de me mama / Quando insieme s’arivava al capitel…“
(Welch Süße in der Stimme meiner Mutter / Als wir gemeinsam die Hauptstadt erreichten…)
Mit diesen etwas schlichten und zugleich raffinierten Versen beginnt eines der schönsten Lieder für Bergchöre.
In dem Text erinnert sich der Protagonist an die Zeit, als er als Kind mit seiner Mutter vor einer Gedenkstätte der heiligen Maria Halt machte.
Seitdem sind viele Jahre vergangen, aber noch immer erinnert er sich lebhaft an die Stimme seiner Mutter, die ihn nach dem Gebet aufforderte, sich wieder auf den Weg zu machen.
Das Lied entwickelt sich auf einer einaktigen rhythmischen Idee und mündet nie in einen Refrain, wodurch die schlichte Eleganz erhalten bleibt, die “La Madonina” zu einem einzigartigen Beispiel für einen Alpenchoral macht. Der Komponist Camillo Moser, ist ein geschätzter Musiker, der seinem Land so viel gegeben hat: durch seine Musik, sein Engagement als Chorleiter und seine Lehrtätigkeit.
Die folgende Version wurde vom Chor Vogliam Cantare“ unter der Leitung von Maria Cortelletti mit Emilia Rattini an der Flöte und Bruno Rattini am Klavier aufgeführt.
Lied „Le Dolomiti“
Camillo Moser, war ein Mann aus den Bergen, dennoch war seine musikalische Persönlichkeit alles andere als rau. Er komponierte süße, raffinierte und elegante Melodien. Zusammen mit dem Dichter Italo Varner komponierte er einige der meistgespielten Berglieder, wie zum Beispiel den Klassiker Le Dolomiti, eine wahre Hymne an unsere Berge.
Hier ist die Version von Le Dolomiti (LE DOLOMITI von C. Moser und I. Defrancesco) von der Vokalgruppe “Vogliam Cantare” unter der Leitung von Maria Cortelletti und Cristian Ferrari am Klavier.
Gstanzln dichten
Nun seid ihr dran:
Überlegt euch Themen zur Euregio, über die ihr Gstanzln machen wollt. Veranstaltet in eurer Klasse einen Euregio–Gstanzl-Wettbewerb. Die besten Gstanzln schreibt ihr dann auf euer Puzzleteil.
Wichtig: Notiert eure Gstanzln in eurem Dialekt.
Achtung: Auf Behinderungen und Krankheiten von Menschen singt man kein Gstanzl.
Wer glaubt, Gstanzln sind nur gut, wenn sie vor derben Kraftausdrücken nur so strotzen, irrt!
Möglicher Ablauf:
- Schreibt ein Wort auf einen Zettel, den ihr an die Tafel oder eine Pinnwand heftet.
- Fasst ähnliche Stichwörter zusammen.
- Nun erstellt ihr alleine oder in der Gruppe einen Text von jeweils vier Zeilen.
- In einem Gstanzl-Wettbewerb innerhalb eurer Klasse präsentiert ihr euch eure Vierzeiler.
- Per Abstimmung kürt ihr nun die besten Gstanzln.
Die besten Vierzeiler werden auf das Puzzleteil aufgeschrieben. Wir freuen uns auf eure kreativen Gstanzln!




